ADHS Diagnose mit 32 Jahren Geschichte

Mein Weg zur ADHS Diagnose mit 32 Jahren I Erwachsen & spätdiagnostiziert

Anna-Maria Langer

ADHS Diagnose im Erwachsenenalter

Was haben ADHS und die Star Wars Filme gemeinsam? Meine ADHS Diagnose war ungefähr so ein Schocker wie Darth Vader's Enthüllung: "Luke, ich bin dein Vater". Ok, ganz überraschend kam vielleicht weder dieser Plot Twist, noch meine ADHS Diagnose.

 Hi, ich bin Anna - ich bin die Künstlerin hinter A Colorful Clay und erzähle dir in diesem Blogpost, wie ich mit 32 Jahren meine ADHS Diagnose bekommen habe. Mittlerweile weiß ich, dass ich mit meiner Geschichte nicht alleine bin - denn so viele Frauen* wurden Jahrzehnte vom Gesundheitssystem völlig übersehen. Und ich bin eine davon.

Warum mit 32 Jahren eine Diagnose suchen?

Ich wusste immer, dass ich anders ticke. Das sich dies jedoch neurobiologisch erklären lässt, wusste ich bis ins Erwachsenenalter nicht. Quirky, komisch, speziell - ich wurde mit vielen Worten beschrieben. Aber mir fehlte immer eine Erklärung, die mir helfen könnte, mir selbst besser zu verstehen. Viele Dinge fühlten sich besonders schwer an - andere besonders leicht. Schulische Leistung im Hyperfokus? Kein Problem. Freundschaften finden und halten? Fehlanzeige. Stress bei der kleinsten Planänderung? Lähmend. Freude an komplexen Aufgaben? Immer. 

Lange dachte ich, dass doch eigentlich alles läuft. Masterabschluss in der Tasche, Start in die Selbstständigkeit als freie Fotografin, meine erste eigene Wohnung. Insbesondere beruflich hatte ich auch nach zig Praktika und Teilzeit-Stellen noch nirgendwo reingepasst. 9-5 fühlte sich erstickend an, kein Raum für Spontanität oder Kreativität. Doch irgendwann lief nicht alles weiter - die Pandemie brachte den Aufbau meiner Selbstständigkeit zum Erliegen, nichts ging mehr. Fast unmöglich für ein Gehirn, dass immer weiter macht.

Ich merkte aber auch: fühlt sich klasse an, wenn niemand anderes im Supermarkt ist. Langsamer machen hilft meinem Nervensystem. Ich komme auch in Krisensituationen gut zurecht. 

Social Media brachte unerwartete Antworten

Der Zusammenbruch meines wackeligen Konstruktes folgte mit dem Ende der Pandemie - der Alltag kehrte zurück. Aber mir war alles zu viel. Und das Gefühl fühlte sich nicht neu an, aber intensiver. Ich schlitterte von Burnout zu Burnout, bis irgendwann gar nichts mehr ging. Ich wusste lange, dass noch irgendetwas anderes in mir schlummerte. Und ich begann eine Therapie. Ich lernte zum ersten Mal, wirklich auf meine Bedürfnisse zu hören, für mich einzustehen, wir thematisierten People Pleasing, Grenzen setzen und vieles mehr. 

Durch einen Zufall stolperte ich auf Instagram auf einen Beitrag zum Thema ADHS. Ich war gefesselt. Wie im Sog las ich alles was ich finden konnte zum Thema ADHS und Neurdivergenz. Es fühlte sich ein wenig so an, als hätte jemand ein Portal zu einem Paralleluniversum geöffnet - ein Universum, in der es eine Erklärung für mein Gehirn gab und in welchem in lernen konnte, mit meinem Gehirn, statt dagegen zu leben. 

Ich zeigte meinem Partner immer wieder Beiträge, aber stets mit einem ungläubigen "Das bin doch nicht ich, oder?". Die Gedanken ließen mich nicht los. Nach drei Monaten intensiver Recherche, war ich mir sicher, dass ich ADHSlerin bin. Der Begriff jagte mir Angst ein, aber auch Hoffnung. Mit etwas Glück ergatterte ich innerhalb der folgenden vier Monate einen Diagnosetermin.

Die ADHS Diagnose

Fragebögen. Selbsttests. Fragebögen an meine Liebsten. In alten Grundschulzeugnissen kramen. Und am Ende: ein tränenreiches: "Jep, Anna du hast ADHS". Es folgte Überforderung, Wut, Trauer, Erleichterung, Angst und so ziemlich jede Emotion die man sich vorstellen kann. Was ein wenig zu viele sind, insbesondere für ein Gehirn, das ohnehin Probleme hat die eigenen Emotionen zu identifizieren.

Mittlerweile fühlt sich mein Leben an wie "vor" und "nach" der Diagnose. So als hätte man ein komplett neues Kapitel aufgeschlagen. Ich glaube nur Menschen, die im Erwachsenenalter mit einer Neurodivergenz diagnostiziert werden, verstehen, wie aufwühlend es ist quasi nochmal von vorne zu starten. Zumindest hat sich das für mich so angefühlt. 

Eine Geschichte von vielen

Kein Gehirn ist gleich. Für jede Person ist die Erfahrung anders. Aber ich bin nur eine dieser Geschichten. Jahrzehntelang wurde ADHS eher bei Kindern, insbesondere Jungs diagnostiziert. Das liegt auch daran, dass sich ADHS bei Frauen* anders zeigt. Wir sind häufig weniger körperlich hyperaktiv, weniger laut oder störend im Unterricht - und wurden so übersehen. In Kombination mit unserer patriarchal strukturierten Gesellschaft kein Wunder. Lange ist man sogar davon ausgegangen, dass ADHS sich "verwachse" und bei Erwachsenen gar nicht mehr auftrete. Jahrezehnte an stereotypen Vorstellungen zum Thema Neurodivergenz - und wir fangen gerade erst an, diese zu entdecken und aufzuarbeiten. 

Gerade deswegen ist es mir wichtig, offen und ehrlich über meine Neurodivergenz und meinen Weg zu sprechen. Denn so viel Dunkelheit auch in der Geschichte ist - so viel Licht ist auch da.

Ein Business mit ADHS gründen

Ohne meine ADHS Diagnose hätte ich nie lernen können, mit meinem Gehirn statt dagegen zu leben und zu arbeiten. Ist das trotzdem oft schwer? Auf jeden Fall. Richtig viele Dinge, die ich lange für unmöglich gehalten habe, sind jetzt jedoch für mich in Reichweite. Wie mein Small Business für handgemachte Fidget Toys. Das hätte ich mir früher nie zugetraut - und jetzt erfüllt es mich jeden Tag mit Stolz, dass ich einen kleinen Beitrag zur Sichtbarkeit neurodivergenter Geschichten leisten darf.

In diesem Sinne: Danke, dass du hier bist. Danke, dass du meine Geschichte gelesen hast. Werde gern Teil unserer Instagram Community und lass' uns an deiner Geschichte Teil haben. 

Love,

Anna 

 

 

 

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar